
POLITIK TRIFFT PRAXIS: STAATSSEKRETÄRIN KATJA MAST ZU GAST BEI ELEKTRO-BREITLING
22.09.2026
Am 16. September 2026 besuchte Katja Mast, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Kammern, Verbänden und der Fachkräfteallianz Baden-Württemberg Elektro-Breitling in Holzgerlingen. Im Mittelpunkt standen Berufsorientierung und Ausbildung, künstliche Intelligenz, Energiewende sowie aktuelle Herausforderungen für das Handwerk.
Beim Rundgang durch unseren Standort in der Maybachstraße ging es direkt in die Praxis. An verschiedenen Themeninseln zeigten wir, wie vielseitig modernes Elektrohandwerk heute ist. Gleichzeitig nutzten wir die Gelegenheit, offen darüber zu sprechen, welche Rahmenbedingungen wir als mittelständisches Handwerksunternehmen benötigen, um auch künftig leistungs- und wettbewerbsfähig zu bleiben.
ENERGIEWENDE IN DER PRAXIS
Die Energiewende wird an unserem Standort konkret erlebbar. Erneuerbare Energien, Ladeinfrastruktur, Mittelspannung sowie intelligentes Energie-, Last- und Lademanagement zeigen, welche technischen Möglichkeiten bereits heute bestehen.
Unser geschäftsführender Gesellschafter Klaus Finger erläuterte am Beispiel unseres eigenen Standorts zugleich, welche Herausforderungen in der praktischen Umsetzung entstehen können – etwa durch Genehmigungsverfahren, Netzanschlüsse und regulatorische Anforderungen. Für uns ist deshalb klar: Die Energiewende braucht nicht nur technische Lösungen, sondern auch Rahmenbedingungen, die deren Umsetzung in der Praxis ermöglichen.
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ IM HANDWERK
Wie Forschung und künstliche Intelligenz konkrete Herausforderungen im Handwerk lösen können, zeigten wir am Beispiel des Forschungsprojekts WISER – Wissensintegration und intelligente Sicherung von Erfahrungswissen. Ausgangspunkt ist die Frage, wie wertvolles Erfahrungswissen langjähriger Mitarbeitender gesichert werden kann, bevor es durch Ruhestand oder Personalwechsel verloren geht. Gerade im Handwerk steckt ein großer Teil dieses Wissens nicht in Handbüchern oder Datenbanken, sondern in bewährten Vorgehensweisen, individuellen Problemlösungen und praktischen Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.
Genau hier setzt WISER an. Im Forschungsprojekt wird ein KI-gestütztes Assistenzsystem entwickelt, das Erfahrungswissen erfasst, strukturiert und Mitarbeitenden situationsgerecht zur Verfügung stellen soll. Ziel ist es, Wissen langfristig im Unternehmen zu sichern, die Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen und Lernprozesse im Arbeitsalltag zu erleichtern. Elektro-Breitling bringt dabei als Praxispartner konkrete Anwendungsfälle aus Elektrotechnik und Projektgeschäft ein.
Bei einer Live-Demonstration durch unseren KI-Beauftragten Marc Weidel erhielten die Gäste Einblicke in die firmeneigene KI „Ebby“ und damit einen Eindruck davon, wie Wissen künftig unmittelbar im Arbeitsalltag nutzbar gemacht werden kann. Gleichzeitig machten wir deutlich, dass der Zugang zu Forschungsprojekten und Förderprogrammen für mittelständische Handwerksunternehmen häufig anspruchsvoll ist und geeignete Partner sowie belastbare Netzwerke eine entscheidende Rolle spielen.
BERUFSORIENTIERUNG, AUSBILDUNG UND FACHKRÄFTEENTWICKLUNG
Ein konkretes Beispiel für die enge Zusammenarbeit mit Schulen ist unser Smart-Home-Projekt. Jörg Fuchs, stellvertretender Schulleiter der Otto-Rommel-Realschule Holzgerlingen, berichtete gemeinsam mit einer Schülerin aus erster Hand, wie das Projekt im Schulalltag ankommt und welchen Mehrwert es für die Berufsorientierung bietet.
Von einzelnen Unterrichtseinheiten bis hin zu fünftägigen Projekten erhalten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, moderne Elektrotechnik nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern selbst auszuprobieren, technische Zusammenhänge zu verstehen und eigene Lösungen zu entwickeln. Ralf Englert, Ausbildungsleiter bei Elektro-Breitling, zeigte, wie sich auf diese Weise schulisches Lernen und praktische Erfahrungen im Elektrohandwerk miteinander verbinden lassen.
Ein weiterer Baustein unserer Berufsorientierung setzt bewusst noch vor der eigentlichen Berufswahl an. Mit dem Workshop „Talente entdecken mit Herz, Kopf und Händen“ und der Methode LEGO® SERIOUS PLAY® unterstützen wir Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8 dabei, zunächst ihre eigenen Stärken zu erkennen und diese anhand konkreter Erlebnisse beschreiben zu können.
Die Jugendlichen bauen Modelle zu persönlichen Erfahrungen, erzählen die Geschichten dahinter und reflektieren gemeinsam, welche Fähigkeiten darin sichtbar werden. Nicht ein bestimmter Beruf steht dabei am Anfang, sondern die Fragen: Was kann ich gut? Was zeichnet mich aus? Und in welchen Situationen habe ich diese Fähigkeiten bereits gezeigt? Die Ergebnisse werden auf einer persönlichen Skillcard festgehalten. Diese kann anschließend im Berufsorientierungsunterricht weiterentwickelt und für Praktikumssuche, Berufsberatung, Elterngespräche und Bewerbungen genutzt werden. So wird aus der Selbstorientierung schrittweise eine fundierte berufliche Orientierung.
Ein Beispiel dafür, wie aus einer konkreten Herausforderung ein neuer Ansatz entstehen kann, ist das von uns mitinitiierte Freiwillige Handwerks Jahr (FHJ). Wir erleben immer wieder junge Menschen, die nach dem Abitur oder einem anderen Schulabschluss noch nicht wissen, welchen beruflichen Weg sie einschlagen möchten. Manche beginnen ein Studium, das sich später als nicht passend herausstellt, andere finden zunächst keinen geeigneten Einstieg und benötigen Zeit und praktische Erfahrungen, um ihren eigenen Weg zu finden.
Genau hier setzt das FHJ an: Junge Menschen erhalten die Möglichkeit, unterschiedliche Tätigkeitsfelder des Handwerks praktisch kennenzulernen, eigene Interessen und Stärken zu überprüfen und auf dieser Grundlage eine fundiertere Entscheidung über Ausbildung, Studium oder einen anderen beruflichen Weg zu treffen. Auf Initiative von Elektro-Breitling wurde der Ansatz gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft aufgegriffen und als Modell für den Landkreis vorangebracht.
Unsere unterschiedlichen Projekte folgen dabei einem gemeinsamen Gedanken: Berufsorientierung sollte jungen Menschen nicht nur Informationen über Berufe vermitteln. Sie sollte ihnen ermöglichen, sich selbst besser kennenzulernen, Arbeitswelten praktisch zu erleben und auf dieser Grundlage eigene Entscheidungen zu treffen.
An unserer mobilen Lerninsel zeigte unsere Elektronikerin für Gebäudesystemintegration Carolina Maier schließlich, wie vielfältig die Anforderungen an eine intelligente Gebäudeautomation heute sind und wie praxisnah Ausbildung bei Elektro-Breitling gestaltet wird.
POLITIK UND PRAXIS IM DIALOG
Neben den Zukunftsthemen nutzten wir den Besuch auch, um wirtschaftliche Herausforderungen anzusprechen.
Klaus Finger nutzte den Austausch, um die politischen Rahmenbedingungen aus Sicht eines mittelständischen Handwerksunternehmens deutlich zu kritisieren. Gerade Betriebe, die investieren, ausbilden und die Energiewende praktisch umsetzen, seien darauf angewiesen, dass unternehmerisches Engagement nicht durch immer neue Vorgaben, lange Verfahren und zusätzliche Belastungen erschwert werde. Ein konkreter Kritikpunkt war die geplante Einkommensteuerreform: Da viele Handwerksunternehmen als Personengesellschaften organisiert sind, können höhere Steuersätze unmittelbar die im Unternehmen verfügbaren Mittel für Investitionen treffen. Genau diesen Punkt hatte Finger im Gespräch mit Katja Mast deutlich hervorgehoben.
Auch bei der Energiewende machte Finger deutlich, dass zwischen politischen Zielsetzungen und der betrieblichen Umsetzung noch zu oft eine Lücke bestehe. Elektro-Breitling investiert selbst in Photovoltaik, Speichertechnik, Ladeinfrastruktur und intelligente Energiesysteme. Gleichzeitig zeigte die Erfahrung am eigenen Standort, wie stark Projekte durch Netzanschlüsse, Zuständigkeiten und langwierige Abstimmungen ausgebremst werden können. Die beim Besuch geschilderten Schwierigkeiten bei der Stromversorgung des neuen Standorts verdeutlichen diese Problematik sehr konkret.
Fingers Appell an die Politik lautete deshalb, Unternehmen wieder mehr Verlässlichkeit und Handlungsspielraum zu geben: „Weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, planbare Energie- und Steuerkosten sowie Regelungen, die sich an der betrieblichen Praxis orientieren.“ Finger würdigte, dass die Bundesregierung 2026 selbst mehrere Entlastungs- und Beschleunigungsmaßnahmen beschlossen hat, darunter
Bürokratieabbau, Änderungen im Energieeffizienzrecht sowie Maßnahmen zur Senkung von Energiekosten, für ihn bleibt jedoch entscheidend, dass solche Entlastungen im betrieblichen Alltag tatsächlich spürbar werden: „Mittelständische Unternehmen könnten dauerhaft nur dann Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen, Innovationen vorantreiben und in die Energiewende investieren, wenn die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen dafür langfristig tragfähig sind.“
Jörg Veit, Personalgeschäftsführer bei Elektro-Breitling, nahm die jüngsten Ergebnisse der Ausbilderbefragung 2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IdW) zum Anlass, auf die wachsenden Herausforderungen in der Ausbildung hinzuweisen. Viele Betriebe erlebten zunehmend junge Menschen, denen grundlegende Kompetenzen, Konzentrationsfähigkeit oder die notwendige Sicherheit beim selbstständigen Lernen fehlten. Vor dem Hintergrund der jüngsten PISA-Ergebnisse appellierte Veit deshalb an die Politik, den Leistungsrückgang nicht länger hinzunehmen, sondern Schule und Bildung mit weitreichenden und langfristigen Maßnahmen zu stärken. Dazu gehöre aus seiner Sicht auch herausfordernde Regelungen, die Kinder und Jugendliche im Umgang mit Smartphones und sozialen Medien besser schützen und sie zu einem verantwortungsvollen Umgang befähigen. „Wir Unternehmen können in der Ausbildung vieles auffangen und junge Menschen individuell fördern. Aber wir können nicht dauerhaft kompensieren, was bei Basiskompetenzen und Lernfähigkeit vorher versäumt wurde“, so Veit.
Der Besuch hat für uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Politik und betrieblicher Praxis ist. Wir bilden aus, entwickeln neue Wege der Berufsorientierung, integrieren internationale Fachkräfte, beteiligen uns an Forschung, treiben die Digitalisierung voran und setzen die Energiewende praktisch um. Umso wichtiger ist es, auch die Herausforderungen offen anzusprechen, die uns dabei im betrieblichen Alltag begegnen.
Wir bedanken uns bei Katja Mast und allen Beteiligten für den Besuch, das Interesse an unserer Arbeit und den offenen Austausch. Für uns war es eine wertvolle Gelegenheit zu zeigen, was modernes Elektrohandwerk heute leisten kann – und gemeinsam darüber zu sprechen, welche Rahmenbedingungen es braucht, damit das Handwerk auch in Zukunft leistungsfähig bleibt.




